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In die Sauna mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Die Wirksamkeit der Sauna als Präventionsmassnahme gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen gilt als wissenschaftlich erwiesen. So konnte der regelmässige Gang in die Sauna mit einem reduzierten Risiko für Bluthochdruck in Verbindung gebracht werden – auch das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, sinkt bei einem drei bis vier Mal wöchentlich stattfindenden Saunabesuch beträchtlich. Langzeitstudien aus Finnland konnten zudem einen Zusammenhang zwischen regelmässigem Saunieren und einem reduzierten Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, feststellen. Dass die Sauna das Herz-Kreislauf-System von gesunden Besuchern fit hält, ist also längst kein Geheimnis mehr. Aber wie gesund ist die Sauna für bereits erkrankte Personen?


So wirkt sich die Sauna auf unser Herz-Kreislauf-System aus

Die hohen Temperaturen in der Saunakabine stellen für unseren Körper eine Belastung dar, auf welche das Herz-Kreislauf-System mit einigen Anpassungen reagiert. Zum einen nimmt die Herzfrequenz deutlich zu: Bereits in der ersten Minute ist ein Anstieg der Herzfrequenz um etwa 20 Schläge mehr pro Minute zu verzeichnen, nach 10 Minuten erhöht sie sich auf ungefähr 50 Schläge mehr pro Minute. Diese deutliche Mehrbelastung kann mit moderatem Sport verglichen werden.

Zusätzlich erweitern sich die äusseren Blutgefässe durch die Wärme, wodurch sich der Widerstand verringert. Tritt der Effekt bei gelegentlichen Saunabesuchern nur akut auf, so können sich die Gefässe bei regelmässigem Saunieren langfristig erweitern und damit auf Dauer zu einem reduzierten Bluthochdruck führen.


Dürfen Herzpatienten in die Sauna?

Diese Frage kann weder mit einem klaren Ja noch mit eine klaren Nein beantwortet werden – zu unterschiedlich sind die individuellen Risiken. Im Folgenden werden einige davon vorgestellt sowie Tipps gegeben, wie der Aufenthalt in der Sauna für Herzpatientinnen so risikofrei wie möglich gestaltet werden kann. Das Wichtigste vorab: Besuchen Sie die Sauna nie, ohne davor Rücksprache mit einem Kardiologen gehalten zu haben.


Sanfter Einstieg

Für Herzpatienten empfiehlt sich ein sanfter Einstieg. Zu Beginn sollten Sie auf die klassische finnische Sauna verzichten und nur bei geringen Temperaturen zwischen 45 und 60 Grad Celsius saunieren. Auch sollten Sie nicht zu viel Zeit in der Saunakabineverbringen: Während gesunde Besucherinnen gut und gerne fünfzehn Minuten saunieren können, sollten Sie die Dauer Ihres Saunaganges auf drei bis fünf Minuten beschränken. Wählen Sie zudem am besten die unteren Bänke mit etwas tieferen Temperaturen, liegen Sie während des Saunaganges und stehen Sie danach nicht zu schnell wieder auf. Zudem gilt (wie auch für gesunde Saunabesucher): Verlassen Sie die Sauna unverzüglich, sobald Sie sich unwohl fühlen!


Auf den Aufguss verzichten

Fragt man einen Finnen, so kann auf den Aufguss unmöglich verzichtet werden, da er die «Seele» der finnischen Sauna darstellt. Das Aufgussritual ist zwar unbestreitbar ein unvergessliches Erlebnis und sorgt durch die wohltuende Duftatmosphäre für eine Extraportion Entspannung – für die gesundheitliche Wirkung der Sauna ist der Aufguss allerdings nicht nötig. Da der Aufguss das Hitzeempfinden deutlich verstärkt und damit für den Körper eine zusätzliche Belastung darstellt, wird Patientinnen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen grundsätzlich davon abgeraten, an einem Aufguss teilzunehmen.


Ausreichend trinken

Durch das Schwitzen in der Sauna verliert der Körper viel an Flüssigkeit. Auch gesunde Saunabesucher sollten deshalb auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Umso mehr gilt dies für Herzpatienten. Denn: Über den Schweiss scheidet der Körper nicht nur Wasser, sondern auch Elektrolyte aus. Einige dieser Körpersalze spielen dabei eine wesentliche Rolle für den Herzrhythmus, weshalb der Speicher nach dem Saunagang möglichst rasch wieder aufgefüllt werden sollte. Am besten geschieht dies mit isotonischen Getränken, wie beispielsweise angereichertem Mineralwasser, Apfelschorle oder einem alkoholfreien Bier.


Risiko durch schnelles Abkühlen

Nicht nur die Sauna selbst birgt Risiken, auch die Abkühlung danach kann für Herzpatienten gefährlich werden. Wie weiter oben bereits beschrieben, weiten sich die Blutgefässe durch die hohen Temperaturen in der Sauna. Bei der Abkühlung unter der Schwalldusche oder im Tauchbecken ziehen sich die Blutgefässe abrupt wieder zusammen und das Blut in den peripheren Gefässen wird in kürzester Zeit wieder zur Körpermitte zurückgelenkt. Dabei steigt der Blutdruck massiv an – eine Belastung, die für viele Herzpatientinnen und -patienten zu gross ist. Das heisst allerdings nicht, dass auf die Abkühlung verzichtet werden muss; sie sollte jedoch sanft erfolgen, bspw. an der kühlen Luft, durch einen Kneippguss oder eine lauwarme Dusche, die graduell kälter gestellt wird.


Wann nicht in die Sauna?

Für die Patienten einiger Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann die Sauna zwar ein Risiko darstellen, dieses kann jedoch durch das Beachten der oben genannten Punkte relativ geringgehalten werden. Das gilt allerdings nicht für alle Herz-Kreislauf-Erkrankungen. So sollten Patienten, die erst vor kurzem einen Herzinfarkt erlitten haben, die Sauna besser meiden. In den ersten drei Monaten nach dem Infarkt ist die Sauna deshalb tabu – danach kann man den Körper langsam wieder an die Belastung gewöhnen. Ebenfalls von einem Saunabesuch abgeraten wird bei schweren Fällen von Angina Pectoris. Die verengten Herzkranzgefässe führen bei dieser Erkrankung zu einer schlechten Durchblutung des Herzens; die zusätzliche Belastung durch die Sauna stellt hier ein zu grosses Risiko dar und kann zu Beschwerden führen.






Quellen:

  • Brenke, Rainer (2018): Hydrotherapie und Sauna bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

  • Herzstiftung.de: In die Sauna mit krankem Herz?

  • Laukkanen, Jari A.; Laukkanen, Tanjaniina; Kunutsor, Setor K. (2018): Cardiovascular and Other Health Benefits of Sauna Bathing: A Review of the Evidence.

  • Neumaier, Judith (2006): Empfehlungen für den Saunabesuch. Lassen Sie Ihre Herzpatienten schwitzen?

  • Swissheart.ch: Angina Pectoris.



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